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Konfessionslose auf dem Vormarsch. Die NZZ berichtet davon.

Woran mag es liegen?
– Liegt es daran, dass man durch die Geburt Mitglied einer Kirche wird, es jedoch selbst bestimmen möchte? Man kann nicht alles selbst bestimmen. Die Familie, in die man hinein geboren wird, kann niemand auswählen.
– Finden die Gottesleute nicht mehr zu ihren Gläubigen? Ich glaube, dass viele von ihnen den Kontakt zu den Gläubigen und damit die Bodenhaftung verloren haben. Sie haben abgehoben und pflegen unter ihresgleichen ihr Pfründe.
– auch die grossen Sekten (Zeugen Jehovas, Scientology) verlieren Mitglieder. Sie haben ähnliche Probleme wie die Landeskirchen. Die Individualisten glauben ihnen nicht mehr alles!
„(…) Mittlerweilen gibt es in der Schweiz unzählige kleine Gruppierungen mit sektenhaften Zügen. «In den letzten 20 Jahren hat sich der Markt pulverisiert», sagt Susanne Schaaf von der Beratungsstelle Infosekta. Dies einerseits zugunsten der Esoterik-Szene: Schamanistische Behandlung, Lebenshilfeangebote, Persönlichkeitsseminare, Jenseitskontakte und Fernheiler seien verbreitet. «Esoterische Angebote passen zum Lifestyle unserer Zeit», sagt Schaaf. Sie sprächen die Individualität an, man müsse nicht gleich einer Gemeinschaft mit einem engen Normensystem beitreten….)“
Menschen mit eigener Autonomie und eigener Persönlichkeit denken autonom.“Als eigenständig denkende Person, will ich mich nicht mit Behauptungen (Thesen, Dogmen) herumschlagen. Ich möchte den Sinn des Lebens verstehen. Dies entspricht dem Bedürfnis jedes Menschen.“ Das Bild der leeren Kirchen müsste nicht sein!
Nur noch zwei Drittel der Schweizer sind reformiert oder katholisch. (Bild: Gaëtan Bally / Keystone)

Nur noch zwei Drittel der Schweizer sind reformiert oder katholisch. (Bild: Gaëtan Bally / Keystone)

Der Individualismus drängt heute in den Vordergrund. Jeder versucht für sich das Optimum (Optimum von was?) zu gewinnen.

Esotherik, Fernheiler, Schamane bis hin zu Kontakten ins Jenseits sind „geil“. Heilsversprechen (Heilung von was?) kommen an. Irgend wie wird „konservativer Glaube“ mit Lifestyle verbunden, ohne dass man bindend dazu gehören muss – Aberglaube anstatt echter Glaube!
Wenn es immer mehr Grüppchen gibt, die sich für sich ein „Gottesbild“ erstellen, zeigt es auf, dass es grossen Religionen nicht gelungen ist, den echten Bedürfnissen der Menschen zu entsprechen. Also wird da gesucht, wo es am bequemsten ist. Es zeigt weiter auf, dass jedes Grüppchen ein „Gottesbild“ vermittelt. Zu Ende gedacht: Jeder Mensch hat eine eigene Vermutung. Dazu braucht er z.B.  kein vatikanisches Finanzimperium. Niemand weiss es, jedoch viele glauben etwas. Selbst jene, die einen Gott ausschliessen, glauben an eine höhere Macht oder an die Harmonie des Universums. Auch die Kirchenführern die für sich in Anspruch nehmen, die einzige Wahrheit zu kennen, wissen es nicht. Papst Pius der IX liess die Bibliothek im Vatikan zumauern, damit ja niemand nachsehen konnte ob das Niedergeschriebene mit dem verbreiteten Wort übereinstimmt. Die Machtausübung hatte Priorität.
Die katholische Kirche hat in der Schweiz derzeit im Vergleich etwas geringeren Schwund. Der Zuzug von Portugiesen und Spanier ist der Grund dafür. Dieser Effekt wird abflauen.
Wenn diese Kirche so weiter wütet wie im Bistum Chur, wo erzkonservative Kirchenleute das Sagen haben, wird die Spaltung weiter gehen.
„Schuster bleib bei deinen Leisten“, gilt auch für Kirchenleute. Es bedeutet, dass sie sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, und sich wie alte Seilschaften verhalten sollten. Die müssen von Zeit zu Zeit ihre Seile auswechseln, wollen sie überleben. Dies trifft auchauf die Ökonomie zu:

„(…) Kirchenleute sollten nicht in vermeintlich göttlichem Auftrag ökonomische Theorie betreiben, weder 1517 noch heute. Sonst mache ich einmal kurz in Theologie: Zweitausend Jahre alte Schriften aus Agrargesellschaften im sandigen Orient sind keine Lehrbücher für die heutige Volkswirtschaft. Das legen Vernunft und Quellenkritik nahe. Ökonomen können auch irren, aber sie reden nicht als Gottesboten.)“Quelle: NZZ am Sonntag

Ich habe Kirchenleute getroffen, die es in der heutigen Zeit schaffen, ihre Gläubigen um sich zu scharen. Von leerer Kirche war nichts zu spüren! Die Pfarrei Holy Family (Singapur), ist eine Kirchgemeinde mit etwa 8500 Mitgliedern.

In der Kiche: Holy Family

In der Kiche: Holy Family

Die Kirchgänger wirken aufmerksam und überzeugt.

Die Geistlichen holen die Leute ab indem sie im Dialog mit ihnen sind. Sie gestalten lebendige Gottesdienste.
Fragt man nach dem Gehalt, kommt die verblüffende Antwort, dass man keinen Lohn kennt. Die Pfarrei führt ein Haus, wo die Geistlichen für Kost und Logis leben. Es werden ihnen Spesen die umschrieben sind, vergütet.
Im Haus verbringen auch die „Altherren“ ihren Lebensabend.

Father Eugene Vaz, Parish PriestFather Eugene Vaz, Parish Priest (Pfarrer)

Wer da „arbeitet“ macht dies nicht um des Lohnes willen, sondern er ist überzeugter Priester. Geistliche in der Schweiz, die einen Lohn eines Sekundarlehrers ziehen, würden sich wundern oder in andere „Berufe“ abwandern.

Die Parrei Holy Familiy feierte ihren 80. Geburtstag auf eindrückliche Art. Das was folgt stammt aus der Jubiläumsschrift „From Stones to Living Stones“

„(…) Erzbischof William Goh überreichte die Grüsse des apostolischen Nuntius, Leopoldo Girelli und zelebrierte die Geburtstagsmesse.  Er erinnerte daran, dass die Kirchgemeinde Holy Family  29 Jahre vor der Gründung Singapurs entstanden ist, welches aus einem Sumpf Slum (backwater slum) entstanden ist und sich zu einem bedeutenden Staat in dieser Welt entwickelt hat, welches weltweiten Respekt und Anerkennung findet. Er begab sich schliesslich unter das Volk.

Erzbischof von Singapur, William Goh

Erzbischof von Singapur, William Goh

Seine Botschaft: Die Holy Family Kirche, gegründet 29 Jahre vor der Gründung Singapurs, als dieses noch ein unbedeutender Schlammwasser Slum war. Der Stadt-Staat habe sich inzwischen zu einem bedeutendem Land in der Welt etabliert. Alles hat sich sehr stark verändert. Die Bevölkerung  ist auf über 5,5 Mio Einwohner gewachsen. Die Kirchgemeinde soll sich parallel mit der Entwicklung des Staates vergleichen. „Können wir sagen, dass auch wir in der Stärke, in der Zahl, in der Tiefe des Glaubens und in der Einflussnahme im Ostbezirk und darüber hinaus gewachsen sind?“

Welches war die katholische Bevölkerung vor 80 Jahren? Sind wir mit dem Rest des Landes gewachsen? Sind wir die lebenden Steine in unserer Nähe gewesen, wenn wir unseren Mitkatholiken gerecht werden und den Nichtchristen, vor allem denen, die arm und verlassen sind, das Evangelium bezeugten? Ist die Kirche der Heiligen Familie hervorragend und als ein Leuchtfeuer des Glaubens und der Liebe in Katong, Ostküste und Marine Parade gesehen worden? Die schöne Struktur ist nicht genug; Die Herausforderung besteht darin, uns in lebende Steine zu entwickeln, wie es Ihr Pfarrer hofft, es mit euch allen zu werden.

Die Messe zum Jubiläum celebrierte der Erzbischof - Foto: Herbert Odermatt

Die Messe zum Jubiläum zelebrierte der Erzbischof – Foto: Herbert Odermatt

Die Kirche darf nicht als Selbstdiener betrachtet werden, weil die Kirche für die Welt und für die Gesellschaft existiert. Aber wir können die Welt nicht erreichen, wenn nicht unsere Katholiken im Glauben gut ausgebildet sind u William Goh, Erzbischof von Singapur beim "Diner" unter dem gemeinen Volk, Foto: Herbert Odermattnd das Band des Gemeinschaftslebens gestärkt wird. Wenn Katholiken alleine stehen und nicht Teil der größeren Gottfamilie sind, werden sie den Glauben schließlich verlassen, wenn sie durch die Stürme des Lebens gehen. In der Tat, während viele sich uns angeschlossen haben, haben uns viele auch verlassen. Daher ist es wichtig, dass wir die Pfarrei zur Stärkung unserer Familien renovieren um eine liebevolle, ganzheitliche und glaubensorientierte Familie zu bauen. Dadurch wird es möglich, dass, dass wir in der Partnerschaft mit dem Rest unserer Bürger ein schönes, großmütiger, gnädiges und wohlhabendes Singapur errichten.)“

William Goh, Erzbischof von Singapur beim „Diner“ unter dem gemeinen Volk, Foto: Herbert Odermatt

Es wurde ein Event organisiert, wo man nach der Mess

Weinausschank: nur durch Fachkundige... v. li. Frau Dr Margaret Tan. der Ingenieur von Boeing, Dani Odermatt

Weinausschank: nur durch Fachkundige… v. li. Frau Dr. Margaret Tan. der Ingenieur von Boeing, Dani Odermatt

e zusammen kam und gemeinsam her symbolisch verpflegt wurde. Handwerker stellten kurzerhand ein Zelt auf, rüsteten dieses mit Propellern  für die Luftzirkulation aus und erstellten eine Bühne. Die Eingeladenen halfen mit, wo sie konnten.

Selbst ein Glas Wein, was in Singapur eine kostspielige Sache ist, lag drin. Der Erzbischof stattete der Gemeinde einen Besuch ab. Er liess es sich nicht nehmen, sich unter die Leute zu begeben, mit Ihnen zu speisen (aus Papiergeschirr und mit Plastikbesteck) und sich mit ihnen zu unterhalten.

Das Wort wurde von Father Eugene Vaz gegeben: „(…) Wir freuen uns, dass unsere Kirche den 80. Jahrestag ihrer Gründung als Pfarrei der Heiligen Familie im Jahre 1936 feiert. Wir preisen Gott und danken ihm für seinen Segen und seine Gnade im Laufe der Jahre. Das Thema dieses Gedenkbuches „Von den Steinen zu den lebendigen Steinen“ erinnert uns daran, wie der Bau der Kirche der Heiligen Familie 1936 auf leblosen, harten Steinen und Ziegeln aufgebaut wurde. In der Zeit von ihrer Entstehung bis heute , hat sich die Gemeinde zu einer warmen, liebevollen und lebendigen Gemeinschaft von lebenden Steinen entwickelt

Father Eugene Vaz

Father Eugene Vaz

Wir sind allen ehemaligen Priestern, die sich der Pfarrei der heiligen Familie geopfert haben, sehr dankbar. Sie haben sich selbst verpflichtet, sich um die Pflege und die Bildung von Gemeindemitgliedern zu bemühen, „lebendige Steine“ zu werden, also eine christliche Gemeinschaft, die in den sich schnell verändernden Bedingungen und Situationen der Welt und der Kirche lebt und mit dem Geist und dem Weg Jesu Christi in Verbindung steht. Wir sind in der Tat privilegiert, um dieses Jubiläum im Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit zu feiern. Das Thema der Gemeindefeiern ist „Die heilige Familie“ (Holy Family), die Freude hat, Gottes Barmherzigkeit zu teilen.
Wie wir vorankommen, erkennen wir, dass das Sein und Kommen lebende Steine ein fortlaufender Prozess ist. Petrus sagt uns, dass wir, wenn wir zu Jesus, dem Grundstein und lebendigem Stein kommen, in ein spirituelles Haus eingebaut werden, um ein heiliges Priestertum zu sein, indem wir geistliche Opfer anbieten, die Gott durch Jesus Christus annehmbar sind. Es muss der kollektive Wille der Pfarrer und Ordinierten sein, den Prozess der Errichtung unserer Gemeinde in diesem geistigen Gebäude – der christlichen Gemeinschaft – fortzusetzen. Dieser Prozess wird uns helfen, zu schätzen, dass:
  • Wir sind ein gewähltes Pfarrer-Team, das  für einen besonderen göttlichen Zweck gewählt wurde: Wir sind eine Gemeinde, die Jesus durch unsere Taten, Worte, Handlungen und Beziehungen erkennen lässt. Wir sind ein „königliches Priestertum“
  •  wir sind eine Gemeinde die für Gott arbeitet und dient. Wir verbinden das Opfer unseres Lebens mit dem des Opfers Christi. Wir leben, um Christi Mission der Barmherzigkeit und des Mitleids, der Liebe und der Erlösung weiter zu führen;
  • Wir sind eine heilige Nation – durch unsere Taufe sind wir ganz besonders für Gott. Das geht weit über alle natürlichen und nationalen Spaltungen hinaus. Dies vereint uns alle in Gemeinschaft, um Gott zu verherrlichen, der uns aus der Finsternis unserer Welt zum Licht des Glaubens und des Lebens in Jesus Christus führt.
  • Wir sind, aus aller Gnade beraubt, zum Volk Gottes geworden, zu den auserwählten Empfängern seiner Barmherzigkeit geworden, damit wir die Barmherzigkeit Gottes mit allen in unseren Familien, Gemeinschaften und Gesellschaft teilen können, besonders mit den Armen, den Letzten und den Verlorenen.

Lassen Sie uns alle, durch unsere Nachbarschaft mit anderen christlichen Gemeinschaften, als „lebendige Steine“ gemeinsam arbeiten, um fortzufahren, dieses geistig gebaute Haus – „Heilige Familie“, die Barmherzigkeit gottesfreudig teilen.)“

Pfarrer Eugene Vaz, vom Format eines Bischofs, hat eine glasklare Vision: „von den Steinen zu den lebenden Steinen“. Er glaubt an diese Vision und lebt sie fadengerade. Er wirkt authentisch, was ihm grosses Vertrauen und Respekt einbringt. In der Funktion als erster Pfarrer wird er von Pfarrer Damian Francis de Wind und Pfarrer Donatien Davaine unterstützt.

Die Kirchgemeinde will sich den stets verändernden Situationen stellen um sich zu behaupten. Unter Einbezug des „Fussvolkes“ werden Ziele gesetzt und formuliert und Strategien entwickelt. Das Vorgehen wirkt professionell und die Mitarbeit von Mitgliedern, die in der Wirtschaft  entsprechende Funktionen haben bringen ihren Sachverstand mit ein.

Feedback aus den Gruppen- Bild aus Holy Familiy "Von Steinen zu lebenden Steinen"

Feedback aus den Gruppen- Bild aus Holy Familiy „Von Steinen zu lebenden Steinen“

So entsteht eine „rollende“ Anpassung an die äusseren Gegebenheiten, denen man personell, organisatorisch und finanziell begegnen will. Das „Haus“ wurde einst erbaut. Es will unterhalten und renoviert sein! Der Prozess „Förderung der neuen Evangelisierung“ ist angefahren und wird laufend bearbeitet.

Mission: zu streben um Schüler und Missionare Christi zu werden durch Glaubensbildung, Gebet und Handlungen und um Gottes Liebe zu erleben

Vision: werden zu einer fürsorglichen Gemeinschaft des Glaubens als eine heilige Familie

Values (Werte): Mitgefühl, Demut, Service, Spiritualität, Vergebung, Respekt

Die katholische Kirche in Singapur hat gelernt, auf die Menschen zu hören. Sie bemüht sich darum, den Kontakt zur Basis zu wahren um gemeinsam in die Zukunft zu sehen und zu gehen. In Europa und in der Schweiz könnte man davon lernen!